Verbandsnachrichten 

Rückblick auf die Landesverbandsversammlung in Friedrichshafen

Zweieinhalb Tage abwechslungsreiches Programm in nicht alltäglichem Ambiente bot die diesjährige Verbands- und Vereinsversammlung des Landesfeuerwehrverbandes, die vom 26. bis 28. Oktober in Friedrichshafen am Bodensee stattfand. Nach dem historischen, weil ersten Deutschen Feuerwehrtag nach der Wiedervereinigung 1990 hat die von Feuerwehr und Stadt Friedrichshafen sowie dem Kreisfeuerwehrverband Bodenseekreis ausgerichtete Veranstaltung nach Einschätzung von Vizepräsident Gerhard Lai „wieder einmal einen Meilenstein in der Geschichte der Veranstaltungen des Landesfeuerwehrverbands Baden-Württemberg gesetzt.“

Feuerwehrpräsident moniert Finanzierungslücke in Millionenhöhe

Bei der Versammlung des Landesfeuerwehrverbandes Baden-Württemberg in Friedrichshafen forderte dessen Präsident, Dr. Frank Knödler angesichts steigender Steuereinnahmen eine massive Aufstockung der öffentlichen Mittel für die Feuerwehren des Landes Baden-Württemberg. „Im Fördertopf fehlt Geld in zweistelliger Millionenhöhe!“ Trotz jährlich steigender kommunaler Ausgaben von über 30 Milliarden Euro dümpelten die Feuerwehren mit lediglich 1,6 Prozent hier auf niedrigem Niveau. Dies führte unter anderem dazu, dass rund 32 Prozent aller Förderanträge für Beschaffungen der Kommunen nicht positiv beschieden wurden. Angesichts von Begehrlichkeiten anderer Bedarfsträger an der Quelle des Fördertopfes warnte Knödler nachdrücklich: „Hände weg von der Feuerschutzsteuer!“

Grundsätzlich positiv bewertete Knödler die Entwicklung der Mitgliederzahlen sowie die Anzahl der Feuerwehrhäuser und Feuerwehrabteilungen. Alle drei Werte, und damit einhergehend die Präsenz der Feuerwehr in der Fläche für schnelle Hilfe im Notfall, seien seit 45 Jahren in etwa konstant geblieben. Hätten aber damals 115.000 Feuerwehrangehörige noch 40.000 Einsätze bewältigt, leisteten heute 111.000 Wehrleute rund 120.000 Einsätze. „Wir müssen darauf achten, dass die wunderbare Berufung im Haupt- und Ehrenamt, anderen in Not geratenen Menschen zu helfen, nicht zum alltäglichen Job mutiert“, warnte Knödler vor Auswirkungen dieser Entwicklung auf das innere Gefüge der Feuerwehren, auf den inneren Zusammenhalt, die Kameradschaft und den viel beschworenen Korpsgeist. Ausweislich der Jahresstatistik leisten von den rund 111.000 aktiven Einsatzkräften der Feuerwehren in Baden-Württemberg über 108.000 ihren Dienst ehrenamtlich. Für die Menschen, die sich in den Feuerwehren im Land engagierten, müssten daher heute mehr denn je nicht nur Familie, Firma, Feuerwehr und Freizeit in Einklang gebracht werden. „Unsere haupt- und ehrenamtliche Arbeit muss auch Spaß und Freude bereiten“, gab Knödler zu bedenken. Er forderte dazu auf, künftig dafür zu sorgen, den Feuerwehrdienst so einfach wie möglich zu machen. Nicht zusätzliche Belastung, sondern Entlastung sei das Gebot für die Zukunft.

Auch der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, Hartmut Ziebs, war eigens für die Veranstaltung von Berlin an den Bodensee nach Friedrichshafen gereist. In seinem Grußwort ging er auf die Kritik des Bundes der Steuerzahler an den Kosten für die Stiftung eines Ehrenzeichens für 15 Jahre ehrenamtlichen Dienst in den baden-württembergischen Feuerwehren ein. Er forderte die Mitglieder des Bundes der Steuerzahler auf, sich selbst aktiv in den Dienst der Freiwilligen Feuerwehren zu stellen. „Vielleicht kommt man dabei dann auf andere Gedanken“, meinte Ziebs. Ebenso wie Dr. Frank Knödler forderte Ziebs eine Verbesserung bei der Versorgung für Hinterbliebene von im Dienst ums Leben gekommenen Feuerwehrleuten. „Die Feuerwehr darf keine Verlierer produzieren, auch nicht bei Hinterbliebenen“, forderte Ziebs angesichts des Todes eines jungen Feuerwehrmannes Anfang September in Brandenburg, der eine Freundin und ein noch ungeborenes Kind hinterlässt.

Auftakt in der Konzernzentrale des zweitgrößten Automobilzulieferers

Bereits am 26. Oktober standen Präsident Dr. Frank Knödler, die beiden Vizepräsidenten Gerhard Lai und Stefan Hermann, Geschäftsführer Gerd Zimmermann, Landesbranddirektor Dr. Karsten Homrighausen, der Kreisbrandmeister des Bodenseekreises, Henning Nöh und der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Friedrichshafen, Louis Laurösch, im Rahmen eines Pressegespräches den Medienvertretern von Print, Rundfunk und Fernsehen für Ein- und Ausblicke zu aktuellen Themen des Feuerwehrwesens zur Verfügung.

Der Einladung zum anschließenden Begrüßungsabend in die Konzernzentrale des weltweit zweitgrößten Automobilzulieferers, ZF Friedrichshafen AG, das erst Ende 2016 eingeweihte und hochmoderne ZF-Forum waren über 200 Veranstaltungsteilnehmer gefolgt. Nach der offiziellen Begrüßung durch Verbandspräsident Dr. Frank Knödler, ZF-Vorstandsmitglied Jürgen Holeksa, Oberbürgermeister Andreas Brand, den Ersten Landesbeamten des Bodenseekreises, Joachim Kruschwitz und den Vorsitzenden des ausrichtenden Kreisfeuerwehrverbandes, Günther Laur, bestand in zwangloser Atmosphäre reichlich Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen sowie zum Erfahrungsaustausch.

Schulleiter Egelhaaf spricht sich für „Kochrezepte“ aus

Am 27. Oktober fand tagsüber die traditionelle Informations- und Diskussionsveranstaltung statt. Über 350 Führungskräfte der Feuerwehren des Landes Baden-Württemberg tagten hierbei in der Zeppelin-Werft auf dem Flughafengelände von Friedrichshafen. Nach einem Vortrag über Zeppeline im Wandel der Zeit von Eckhard Breuer, Geschäftsführer der Zeppelin Luftschifftechnik GmbH, stellte der Leiter der Landesfeuerwehrschule, Thomas Egelhaaf, in seinem Impulsreferat die Frage, ob die Feuerwehr neue Einsatzstandards brauche. Dabei sprach sich Egelhaaf grundsätzlich für „Kochrezepte“ bei bestimmten Einsatzlagen aus, gab aber zu bedenken, dass weniger manchmal mehr sei. Anstatt sich im Einsatz mit einer kräftezehrenden Optimierung von Details aufzuhalten, brauche es die Bereitschaft der Führungskräfte zu mutigen Entscheidungen, um das Wesentliche im Auge behalten.

Öl- und Schadenwehr Bodensee neu ausgestattet

Der Kreisbrandmeister des Bodenseekreises, Henning Nöh, und der Friedrichshafener Kommandant, Louis Laurösch, stellten mit der Sondereinheit Öl- und Schadenwehr Bodensee eine Spezialeinheit vor, die europaweit einmalig ist. Rings um den See wird diese Einheit international von Stützpunktfeuerwehren und Polizeieinheiten gemeinsam gestellt.

Nöh stellte dabei die umfangreich modernisierte Ausrüstung mit Sonderfahrzeugen und trailerbaren Booten der baden-württembergischen Stützpunkte in Friedrichshafen, Überlingen, Radolfzell und Konstanz vor. In den nächsten Jahren werden zudem vier neue, wasserliegende Boote in Dienst gestellt, die dann zur Brandbekämpfung, zur technischen Hilfeleistung, zur Wasserrettung und im Rahmen der Ölwehr eingesetzt werden.

Autonomes Fahren soll Zahl und Schwere von Verkehrsunfällen mindern

Einen Einblick in den aktuellen Stand der Technik beim autonomen Fahren gab der Leiter des Innovationsmanagements der ZF Friedrichshafen AG, Dr. Gerhard Gumpoltsberger. Insbesondere die Entwicklung hochgenauer Sensoren soll sowohl die aktive als auch die passive Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen. Im Idealfall gehören dadurch in der Zukunft Einsätze der Feuerwehren bei Verkehrsunfällen der Vergangenheit an oder können durch die Verhinderung von Unfällen in ihrer Häufigkeit und Schwere zumindest reduziert werden.

Brandbekämpfung in hohen Gebäuden und Hochhäusern

Ein weiterer Themenschwerpunkt waren Brände in hohen Gebäuden und in Hochhäusern. Professor Dr. Michael Reick gab einen Überblick über die aktuellen baurechtlichen Vorschriften und den aktuellen Stand der Technik im Bereich des vorbeugenden Brandschutzes. Stadtoberbrandrat Markus Hauser stellte die Einsatztaktik der Feuerwehr Stuttgart bei Hochhausbränden vor.

Zahlreiche Aussteller präsentierten sich in Friedrichshafen

Ergänzt wurde die Veranstaltung durch eine Ausstellung zahlreicher Hersteller von Feuerwehrtechnik, Handelsunternehmen im Bereich des Feuerwehrbedarfs und von IT-Anbietern, die Ihre Lösungen für Einsatzführung und -organisation präsentierten.

Kameradschaftsabend vor beeindruckender Kulisse

Festlich gedeckt und illuminiert präsentierte sich die Luftschiffhalle am Freitagabend zum ebenfalls traditionellen Kameradschaftsabend. Unmittelbar neben einem der 75 Meter langen Zeppeline, der während der gesamten Veranstaltungen in der Halle schwebte, genossen rund 450 Feuerwehrleute, mitgereiste Angehörige sowie Gäste aus Politik und Gesellschaft einen entspannten Abend bei einem Dreiländer-Bodenseebuffet mit Spezialitäten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Kurzweilige Unterhaltung boten dabei die Band Acoustic Affair, die Tettnanger Worthandwerkerin Ingrid Koch sowie die Betznau Boygroup.

Vortrag über „Tatsächliche und gefühlte Sicherheit“

Interessante Einblicke in Fakten, Statistiken und die menschliche Psychologie bot Professor Dr. Ortwin Renn mit seinem Vortrag über tatsächliche und gefühlte Sicherheit. Er ging unter anderem der Frage nach, warum Risiken oft falsch eingeschätzt würden. In diesem Zusammenhang ging Renn auf die Berichterstattung der Medien, die sich zunehmend auf das Außergewöhnliche und besonders dramatische fokussierten, sowie auf die Suchalgorithmen von Internet-Suchmaschinen, die sich Nutzerpräferenzen merkten, ein. Rasch könne dadurch der Eindruck entstehen Katastrophen, Kriege und Unfälle seien der überwiegende Normalzustand.

Ehre, wem Ehre gebührt

So­wohl im re­prä­sen­ta­ti­ven Teil der Ta­ges­ord­nung am Nach­mit­tag als auch wäh­rend an­de­rer Tei­le der drei­tä­gi­gen Ver­an­stal­tun­gen fan­den ver­schie­de­ne Eh­run­gen statt. Am Frei­tag­vor­mit­tag wur­de der Lei­ter der Lan­des­feu­er­wehr­schu­le, Tho­mas Egel­haaf, von DFV-Prä­si­dent Hart­mut Ziebs mit dem Deut­schen Feu­er­wehr-Eh­ren­kreuz in Sil­ber aus­ge­zeich­net. Die bei­den Be­triebs­lei­ter des Feu­er­wehr­ho­tels Sankt Flo­ri­an, Bea­te und Ot­to-Pe­ter Ben­gel, dem Land­rat des Bo­den­see­krei­ses, Lo­thar Wöl­f­le, so­wie Fried­richs­ha­fens Ober­bür­ger­meis­ter An­dre­as Brand wur­de die Eh­ren­me­dail­le in Gold des Lan­des­feu­er­wehr­ver­ban­des ver­lie­hen. Die­sel­be Aus­zeich­nung in Sil­ber er­hiel­ten der Ers­te Lan­des­be­am­te Joa­chim Kru­schwitz so­wie Amts­lei­ter Dr. Mi­cha­el Bus­sek, bei­de Land­rats­amt Bo­den­see­kreis. Mit der Eh­ren­na­del in Sil­ber wur­den Kom­man­dant Lou­is Lau­rösch so­wie der Ver­bands­vor­sit­zen­de des Kreis­feu­er­wehr­ver­bands Bo­den­see­kreis, Haupt­brand­meis­ter Gün­ther Laur aus­ge­zeich­net.

Den krö­nen­den Ab­schluss der Eh­run­gen und gleich­zei­tig das En­de der Ver­an­stal­tung bil­de­te die Er­nen­nung des schei­den­den Ge­schäfts­füh­rers Wil­li Don­gus zum Eh­ren­mit­glied des Lan­des­feu­er­wehr­ver­ban­des. Die­se Aus­zeich­nung lös­te gleich­zei­tig auch die ein­drucks­volls­te Re­ak­ti­on des Pu­bli­kums wäh­rend der ge­sam­ten drei Ver­an­stal­tungs­ta­ge aus: ste­hen­de Ova­tio­nen zeug­ten von der au­ßer­or­dent­li­chen Be­liebt­heit des Ge­ehr­ten bei den Feu­er­weh­ren und der Zu­stim­mung zu die­ser Er­nen­nung. Be­reits am Vor­mit­tag war auch dem lang­jäh­rig en­ga­gier­ten Ka­me­ra­den Hel­mut Traut­wein die Eh­ren­mit­glied­schaft ver­lie­hen wor­den. Traut­wein hat­te ne­ben zahl­rei­chen wei­te­ren Son­der­funk­tio­nen zu­letzt zehn Jah­re lang als Lan­des­ob­mann der Al­ters­ab­tei­lun­gen ge­wirkt und im Ju­ni sein Amt in jün­ge­re Hän­de ge­legt.

Die Re­de von Prä­si­dent Dr. Frank Knöd­ler fin­den Sie hier:
http://www.fwvbw.de/fileadmin/Downloads/Aktuelles/Bericht_Dr_Knoedler.pdf

Quelle: Landesfeuerwehrverband Baden-Württemberg

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